Die Magie des Feuers: Warum ich meine Keramik dem traditionellen Rauchbrand anvertraue
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Es gibt Momente in der Werkstatt, da muss man die Kontrolle abgeben, um etwas wirklich Einzigartiges zu erschaffen. Für mich ist das der Moment, in dem ich das Feuer in meinem selbstgebauten Ofen entfache, die Flammen im Brandkanal hochschlagen und meine Stücke unter freiem Himmel in den traditionellen Rauchbrand übergehen.
Diese uralte, archaische Technik ist für mich nicht nur ein handwerklicher Prozess – sie ist ein Dialog mit den Elementen, bei dem ich jede Menge Erfahrung einbringe, aber das Feuer das letzte Wort behält.
Was ist traditioneller Rauchbrand?
Im Gegensatz zu modernen, computergesteuerten Elektroöfen, bei denen jedes Ergebnis bis auf das Grad genau planbar ist, ist der Rauchbrand ein echtes Abenteuer. Hier kommen keine industriellen Glasuren zum Einsatz. Die Farben, Muster und Schattierungen entstehen rein durch das Zusammenspiel von Hitze, gezieltem Sauerstoffentzug und dichtem Rauch.
Da ich unter freiem Himmel brenne, ist schon die Vorbereitung ein Ritual. Ich habe meinen Ofen selbst gebaut, um die Flammen und den Rauch so lenken zu können, wie es die Stücke erfordern. Sobald der Ofen auf Temperatur ist, beginnt die Transformation. Durch das Reduzieren des Sauerstoffs sucht sich der Kohlenstoff seinen Weg tief in den unglasierten Ton. Er zeichnet die Stücke dauerhaft und schenkt ihnen ihre charakteristische Seele.
Jede Holzart schreibt ihre eigene Geschichte
Ein großer Teil des Geheimnisses liegt im Brennstoff. Weil ich keinen standardisierten Brennofen nutze, hat die Wahl des Holzes einen direkten, faszinierenden Einfluss auf das Endergebnis. Über die Jahre habe ich gelernt, die Eigenheiten der verschiedenen Holzarten wie Farben auf einer Palette zu nutzen:
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Harthölzer (wie Buche oder Eiche): Sie brennen lang, gleichmäßig und entwickeln eine enorme, konstante Hitze. Mit ihnen erreiche ich tiefe, fast samtige Kohlenstoff-Schwarztöne, die sich extrem beständig in den Ton einbrennen.
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Weich- und Nadelhölzer (wie Kiefer oder Fichte): Durch ihren hohen Harzanteil brennen sie schnell und wild. Das Harz sorgt für einen ganz eigenen, dichten Rauch, der oft für überraschende, lebendige Flammenspuren und weichere, aschige Grautöne auf der Oberfläche sorgt.
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Obstgehölze oder Laub: Manchmal mische ich gezielt andere organische Materialien bei. Die enthaltenen Mineralien und die unterschiedliche Feuchtigkeit hinterlassen Nuancen von warmen Brauntönen oder sogar leicht rötlichen Schattierungen.
Der Faktor Natur: Brennen im Freien
Wer draußen brennt, arbeitet nie allein – das Wetter ist immer der Co-Regisseur. Da mein Ofen im Freien steht, hat die Außentemperatur und die Witterung einen massiven Einfluss auf den Brandverlauf:
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An kalten Wintertagen zieht der Ofen ganz anders. Der extreme Temperaturunterschied zwischen der eisigen Außenluft und dem glühenden Inneren erfordert Fingerspitzengefühl, erhöht aber auch die Chance auf dramatische, kontrastreiche Rauchfahnen.
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Im Sommer hingegen hält der Ofen die Hitze ganz anders, was zu gleichmäßigeren, sanfteren Übergängen führen kann.
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Selbst die Luftfeuchtigkeit oder ein plötzlicher Windstoß verändern die Sauerstoffzufuhr im Bruchteil einer Sekunde. Ein Brand im Frühling liefert deshalb niemals dieselben Ergebnisse wie ein Brand im Herbst.
Das Spiel der Kontraste: Tiefschwarz und Aschegrau
Was mich an dieser Technik am meisten fasziniert, sind die unverwechselbaren ästhetischen Merkmale, die man mit keiner Glasur der Welt kopieren kann:
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Tiefschwarze Brandspuren, die sich wie flüssige Tinte über die Oberfläche ziehen.
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Sanfte, aschige Grautöne, die den Objekten eine zeitlose, fast geologische Tiefe verleihen.
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Betonung der Haptik: Da keine dicke Glasschicht die Oberfläche versiegelt, bleibt die rohe Kraft des Tons spürbar. Jede feine Struktur, die ich meinen Gefäßen beim Formen gebe, wird durch den Rauchbrand visuell und haptisch hervorgehoben.
„Der selbstgemachte Ofen, das ausgewählte Holz, das Wetter des Tages: Jedes Stück trägt die individuelle Geschichte seines Feuers in sich. Es ist ein absolut unkopierbares Unikat.“
Ein Weg voller Geduld und Risiko
Ich werde oft gefragt, warum ich mir diesen unberechenbaren Prozess heute noch antue. Denn ehrlich gesagt: Der Rauchbrand im Freien birgt Risiken. Nicht jedes Stück übersteht den extremen Temperaturwechsel. Risse oder unerwartete Verfärbungen gehören dazu.
Doch genau hier liegt für mich der Wert. In einer Welt, in der alles perfekt, makellos und reproduzierbar sein soll, feiere ich mit meinen Werken das Unperfekte, das Wetter und das echte Handwerk. Wenn ich ein Stück aus meinem Ofen befreie, ist das jedes Mal wie ein kleines Geschenk – ein Unikat, das die Natur und das Feuer für mich gezeichnet haben.